immo.son

Wert & Bewertung

Bodenwert und Bodenrichtwert verstehen

Ein Gebäude altert, der Boden nicht. Deshalb ist der Bodenwert der Teil einer Immobilie, der über Jahrzehnte am zuverlässigsten trägt — und in vielen gefragten Lagen inzwischen den größeren Anteil am Gesamtwert ausmacht.

Woher die Zahlen kommen

Bodenrichtwerte stammen von den Gutachterausschüssen der Städte und Landkreise. Diese werten die Kaufverträge aus, die ihnen über die Notare zufließen, und leiten daraus einen durchschnittlichen Wert je Quadratmeter für abgegrenzte Zonen ab.

Damit sind sie belastbarer als jede Angebotsstatistik: Sie beruhen auf beurkundeten Abschlüssen, nicht auf Preisvorstellungen. Ihr Nachteil ist der Zeitverzug — sie werden in der Regel alle ein bis zwei Jahre fortgeschrieben.

Vom Richtwert zum konkreten Grundstück

Der Richtwert gilt für ein fiktives Grundstück mit typischem Zuschnitt und typischer Bebaubarkeit. Ihr Grundstück weicht davon fast immer ab.

Nach oben wirken Südausrichtung, ruhige Lage, guter Zuschnitt und eine höhere zulässige Bebauung. Nach unten wirken Hanglage, ungünstiger Schnitt, Lärm, Altlastenverdacht sowie Rechte Dritter wie Wege- oder Leitungsrechte.

Warum der Bodenanteil den Wert stabilisiert

In Preisrücksetzern verlieren Gebäudeanteile schneller an Wert als Grundstücke, weil der Investitionsbedarf am Gebäude eingepreist wird, während die Fläche unverändert bleibt.

Für Käufer heißt das: Zwei Objekte mit gleichem Kaufpreis, aber unterschiedlichem Bodenanteil sind nicht gleichwertig. Das Haus mit dem größeren Grundstücksanteil ist auf lange Sicht das robustere Investment.

Bodenwert und Grundsteuer

Seit der Grundsteuerreform spielt der Bodenrichtwert in mehreren Ländermodellen unmittelbar in die Bemessungsgrundlage hinein. Steigt er, kann sich die Grundsteuer erhöhen, ohne dass sich am Grundstück etwas geändert hat.

Wer eine deutliche Veränderung feststellt, sollte zuerst prüfen, ob die zugrunde gelegte Fläche und Zone im Bescheid stimmen. Zahlendreher bei der Fläche sind der häufigste Fehler.

Häufige Fragen

Ist der Bodenrichtwert der Preis, den ich bekomme?

Nein. Er ist ein Durchschnitt für eine Zone. Der Preis für Ihr Grundstück ergibt sich daraus über Zu- und Abschläge — und aus dem, was Interessenten vor Ort tatsächlich zahlen.

Wie hoch ist der Bodenanteil an einer Immobilie typischerweise?

Das schwankt stark: In ländlichen Regionen liegt er häufig unter einem Drittel des Gesamtwerts, in gefragten städtischen Lagen kann er die Hälfte deutlich überschreiten.

Kann ein Bodenrichtwert auch fallen?

Ja, wenn die Nachfrage in einer Zone nachlässt oder sich die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen ändern. In den vergangenen Jahren war das vor allem in strukturschwachen Regionen zu beobachten.

Weiter im Thema Wert & Bewertung

← Alle Ratgeber-Themen

Immobilie bewertenObjekt suchen