Markt & Kapitalanlage
Die Babyboomer und ihre Häuser — was wirklich auf den Markt kommt
Die geburtenstärksten Jahrgänge — grob die Jahrgänge 1955 bis 1969 — erreichen in diesen Jahren das Alter, in dem Eigenheime typischerweise den Besitzer wechseln. Daraus wird regelmäßig eine „Verkaufswelle“ konstruiert, die Preise flächendeckend drücken soll. Die Datenlage sagt etwas Differenzierteres: Es kommt mehr Bestand auf den Markt, aber nicht überall, nicht gleichzeitig und nicht in dem Zustand, den Käufer suchen.
Was hinter der These steckt
Die Boomer-Jahrgänge sind die eigentumsstärkste Generation der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ein erheblicher Teil von ihnen besitzt ein Ein- oder Zweifamilienhaus, das in den 1970er- und 1980er-Jahren gebaut oder gekauft wurde — mit einer Wohnfläche, die für den Zweipersonenhaushalt nach dem Auszug der Kinder deutlich zu groß ist.
Wenn diese Jahrgänge in den kommenden zwei Jahrzehnten verkaufen, vererben oder in kleinere Wohnungen ziehen, wechselt ein großer Teil des Einfamilienhausbestands den Eigentümer. Das ist die statistische Grundlage der These und daran ist wenig zu deuten.
Die Frage ist nicht ob, sondern wann, wo und in welchem Zustand. Und genau dort zerfällt die pauschale Erwartung eines bundesweiten Preisrutschs.
Warum der Effekt regional auseinanderfällt
In wachsenden Städten und ihrem Umland trifft zusätzliches Angebot auf einen Nachfrageüberhang, der seit Jahren besteht. Dort wirkt der Generationenwechsel eher entlastend als preissenkend — er löst einen Stau, statt einen Überhang zu schaffen.
In Regionen mit Abwanderung ist die Lage umgekehrt: Dort steht dem zusätzlichen Angebot keine nachrückende Nachfrage gegenüber. Genau dort sind Preisrückgänge und lange Vermarktungszeiten schon heute Realität — die Welle verstärkt einen Trend, den es bereits gibt.
Hinzu kommt: Verkauft wird selten geplant, sondern anlassbezogen — bei Pflegebedarf, Todesfall oder wenn die Treppe zum Problem wird. Diese Anlässe verteilen sich über zwanzig Jahre und nicht über zwei.
Der Zustand ist der eigentliche Engpass
Häuser dieser Baujahre haben typischerweise eine Heizung jenseits der Lebensdauer, schwache Dämmung, einen Grundriss ohne Bad im Erdgeschoss und einen Energiekennwert in den unteren Klassen. Käufer preisen diesen Sanierungsbedarf inzwischen konsequent ein.
Das führt zu einer Spreizung, die schon jetzt sichtbar ist: Sanierte und energetisch gute Objekte in erreichbaren Lagen finden Käufer wie eh und je. Unsanierte Objekte, insbesondere abseits der Zentren, stehen lange und werden über den Preis verkauft.
Für Eigentümer heißt das: Der wichtigste Hebel ist nicht der Zeitpunkt, sondern die Ehrlichkeit bei Preis und Zustand — plus die Frage, ob eine gezielte Teilsanierung vor dem Verkauf den Erlös überproportional hebt. Bei Heizung und Fenstern ist das oft der Fall, bei Küche und Bädern selten.
Was Käufer daraus machen können
Wer ein Haus sucht, wird in den nächsten Jahren mehr Auswahl im Bestand der 1960er- bis 1980er-Jahre finden — und mehr Verhandlungsspielraum, wenn er die Sanierungskosten belegen kann. Handwerkerangebote sind in dieser Verhandlung das stärkste Argument.
Wichtig bleibt die Wiederverkäuflichkeit: Ein unsaniertes großes Haus im dünn besiedelten Raum ist auch in zwanzig Jahren schwer zu verkaufen. Wer dort kauft, sollte das aus Nutzungsgründen tun, nicht als Vermögensanlage.
Für Erbengemeinschaften ist die Welle vor allem ein Koordinationsproblem: Je mehr vergleichbare Objekte gleichzeitig im Ort stehen, desto wichtiger wird eine schnelle, einige Entscheidung. Wer über Monate uneins ist, verkauft am Ende schlechter.
Häufige Fragen
Fallen durch die Babyboomer die Immobilienpreise?
Nicht flächendeckend. In Wachstumsregionen wird zusätzliches Angebot absorbiert, in Abwanderungsregionen verstärkt es bestehende Rückgänge. Entscheidend ist die lokale Nachfrage, nicht die bundesweite Demografie.
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Verkauf?
Es gibt kein Fenster, das man verpassen kann. Wichtiger als das Jahr sind Zustand, Preisfindung und Vermarktung — sowie die eigene Lebenssituation.
Lohnt es sich, vor dem Verkauf zu sanieren?
Bei Heizung, Fenstern und Dach häufig ja, weil sie den Energiekennwert und damit die Finanzierbarkeit für Käufer verbessern. Kosmetische Modernisierung zahlt sich meist nicht aus.
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