Markt & Kapitalanlage
Pflegeimmobilie als Kapitalanlage — die Rechnung hängt am Betreiber
Pflegeappartements werden als Anlage mit doppeltem Argument verkauft: demografisch sichere Nachfrage und keinerlei Verwaltungsaufwand. Beides stimmt im Grundsatz. Der Haken liegt woanders — Ihr Ertrag hängt nicht am Markt, sondern an einem einzigen Vertragspartner.
Wie die Konstruktion funktioniert
Sie erwerben ein einzelnes Apartment innerhalb einer Pflegeeinrichtung als Sondereigentum. Nicht Sie vermieten, sondern der Betreiber pachtet die gesamte Einrichtung und zahlt Ihnen eine feste Pacht — unabhängig davon, ob Ihr Apartment belegt ist.
Die Verträge laufen typischerweise zwanzig bis dreißig Jahre mit Verlängerungsoptionen und sind meist indexiert. Instandhaltung des Sondereigentums liegt häufig beim Betreiber, das Dach-und-Fach-Risiko bei den Eigentümern.
Verwaltung, Mietersuche und Betriebskostenabrechnung entfallen für Sie vollständig. Genau dafür ist die Rendite niedriger als bei einer klassischen Anlagewohnung.
Das Betreiberrisiko
Fällt der Betreiber aus, fällt Ihre Pacht aus — und ein einzelnes Apartment in einem Pflegeheim lässt sich nicht anders nutzen. In den vergangenen Jahren sind mehrere Betreibergesellschaften in Deutschland in Insolvenz gegangen; das ist kein theoretisches Szenario.
Prüfen Sie deshalb die Bonität des Betreibers, seine Historie, die Zahl der geführten Häuser und die Auslastungsquote der konkreten Einrichtung. Ein Jahresabschluss des Betreibers gehört zu den Unterlagen, die Sie verlangen sollten.
Zweiter Prüfpunkt ist der Standort: Pflegebedarfsplanung des Landkreises, Wettbewerbssituation, Erreichbarkeit für Angehörige, Personalverfügbarkeit in der Region. Ein Haus, das kein Personal findet, hat ein Problem, unabhängig von der Nachfrage.
Rendite und Verkauf
Die beworbenen Renditen liegen meist im Bereich von etwa vier Prozent. Das ist höher als bei Wohnimmobilien in guten Lagen und niedriger als bei klassischen Anlagewohnungen in mittleren Lagen — bei deutlich konzentrierterem Risiko.
Der Wiederverkauf ist der schwächste Punkt: Der Käuferkreis ist klein und die Bewertung hängt fast vollständig an der Restlaufzeit des Pachtvertrags. Kalkulieren Sie mit langer Haltedauer.
Ein oft genannter Vorteil ist das bevorzugte Belegungsrecht für Sie und Angehörige. Es ist real, aber vertraglich unterschiedlich ausgestaltet — lassen Sie sich zeigen, was genau zugesichert wird.
Im Kaufvertrag prüfen
Restlaufzeit und Verlängerungsoptionen des Pachtvertrags, Indexierung, Zuständigkeit für Instandhaltung, Höhe der Instandhaltungsrücklage, Regelungen für den Betreiberwechsel und die Frage, wer bei Leerstand der Einrichtung zahlt.
Prüfen Sie außerdem, ob die Einrichtung die Anforderungen des jeweiligen Landesheimrechts erfüllt — etwa Einzelzimmerquoten. Häuser, die sie nicht erfüllen, stehen unter Umbaudruck, und der trifft die Eigentümer.
Häufige Fragen
Ist eine Pflegeimmobilie sicherer als eine Wohnung?
Anders riskant. Die Nachfrageseite ist stabil, das Risiko konzentriert sich auf einen Vertragspartner statt sich über viele Mieter zu verteilen.
Kann ich das Apartment selbst nutzen?
Nur im Rahmen des Belegungsrechts und bei tatsächlichem Pflegebedarf. Als normale Wohnung ist es nicht nutzbar.
Wie wird finanziert?
Wie eine Anlageimmobilie, aber mit vorsichtigerer Bewertung durch die Banken. Höhere Eigenkapitalquoten sind üblich.
Weiter im Thema Markt & Kapitalanlage
- Immobilienmarkt — welche Faktoren die Preise tatsächlich treiben
- Immobilie als Kapitalanlage — die Rechnung vor dem Kauf
- Mietrendite berechnen — drei Kennzahlen und ihre Aussagekraft
- Immobilie im Ausland kaufen — was in Deutschland selbstverständlich ist, gilt dort nicht
- Die Babyboomer und ihre Häuser — was wirklich auf den Markt kommt
- Immobilienaktien und Fonds — der indirekte Weg in den Markt