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Wert & Bewertung

Immobilien-Preisentwicklung einordnen statt prognostizieren

Niemand kann seriös sagen, wo die Preise in drei Jahren stehen. Was sich beobachten lässt, sind die Größen, aus denen sich die Entwicklung speist — und die sind öffentlich verfügbar.

Die Finanzierungskosten geben den Takt vor

Baugeld folgt den Renditen langlaufender Staatsanleihen und den daran gekoppelten Pfandbriefen, nicht direkt dem Leitzins. Steigt diese Rendite, sinkt mit kurzem Nachlauf die Zahlungsfähigkeit der Käufer.

Der Effekt ist erheblich: Ein Prozentpunkt mehr Zins verändert bei 400.000 Euro Darlehen die Monatsrate um rund 330 Euro. Für viele Haushalte entscheidet das über die erreichbare Kaufsumme.

Das Angebot ist träge

Baugenehmigungen zeigen, was in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommt. Sinken sie über längere Zeit, entsteht eine Lücke, die sich auch bei nachlassender Nachfrage nicht schnell schließt.

Genehmigte, aber nicht begonnene Vorhaben — der Bauüberhang — sind dabei kein verfügbares Angebot, sondern ein Speicher aufgeschobener Entscheidungen.

Die Nachfrage kommt von Haushalten, nicht von Einwohnern

Wohnungen werden von Haushalten nachgefragt. Weil die durchschnittliche Haushaltsgröße seit Jahrzehnten sinkt, wächst der Bedarf auch dort, wo die Einwohnerzahl stagniert.

Für die regionale Einschätzung ist deshalb die Haushaltsprognose der aussagekräftigere Wert — sie fällt regelmäßig deutlich anders aus als die Bevölkerungsprognose.

Woran sich eine Wende früh zeigt

Bevor die Preise sich bewegen, bewegt sich die Vermarktungsdauer. Werden Objekte spürbar länger inseriert und häufen sich Preisanpassungen nach unten, kippt die Verhandlungsposition — messbar, bevor ein Index es ausweist.

Der zweite Frühindikator ist die Spreizung zwischen Angebots- und Abschlusspreisen. Wächst sie, halten Verkäufer an Vorstellungen fest, die der Markt nicht mehr bestätigt.

Häufige Fragen

Soll ich mit dem Verkauf auf bessere Preise warten?

Das ist eine Wette auf Zins und Angebot. Wer eine konkrete Lebensplanung hat, fährt meist besser damit, sie umzusetzen und den Preis über Zustand, Unterlagen und Vermarktung zu optimieren, statt auf ein Marktfenster zu spekulieren.

Fallen Immobilienpreise, wenn die Zinsen steigen?

Tendenziell ja, weil die Zahlungsfähigkeit sinkt. Wie stark, hängt vom Angebot ab: Wo wenig gebaut wird, dämpft die Knappheit den Effekt erheblich.

Entwickeln sich alle Segmente gleich?

Nein. Zuletzt liefen gut sanierte Objekte in gefragten Lagen deutlich stabiler als Objekte mit hohem Investitionsbedarf. Ein einzelner Marktdurchschnitt verdeckt diese Spreizung zuverlässig.

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