Haustypen
Nurdachhaus und Reetdachhaus — schöne Dächer, klare Pflichten
Nurdachhäuser — die charakteristischen Dreiecksbauten aus den 1960er- und 1970er-Jahren — und reetgedeckte Häuser an der Küste haben eines gemeinsam: Ihr Dach ist zugleich das prägende Gestaltungselement und der größte Kostenfaktor über die Nutzungsdauer.
Das Nurdachhaus in der Praxis
Beim Nurdachhaus reicht die Dachfläche bis auf den Boden; es gibt kaum senkrechte Außenwände. Das spart Fassade, bedeutet aber, dass die gesamte Gebäudehülle Dach ist — mit entsprechender Wärmeverlustfläche und Sanierungsfläche.
Der typische Schwachpunkt ist der Fußpunkt, an dem die Dachfläche auf den Sockel trifft. Dort sammelt sich Feuchtigkeit, dort beginnt bei alten Objekten die Fäulnis. Ein Blick auf diesen Anschluss sagt mehr über den Zustand als das Gesamtbild.
Innen ist die Nutzfläche durch die Schrägen begrenzt: Ein erheblicher Teil der Grundfläche hat weniger als zwei Meter Höhe und zählt bei der Wohnflächenberechnung nur anteilig. Das erklärt, warum diese Häuser im Inserat größer wirken, als sie sich anfühlen.
Reetdach: Lebensdauer und Auflagen
Ein fachgerecht gedecktes Reetdach hält je nach Lage, Dachneigung und Bewuchs dreißig bis fünfzig Jahre, die Firstabdeckung deutlich kürzer. Neueindeckungen liegen im gehobenen fünfstelligen Bereich — ein Betrag, der beim Kauf anteilig zurückgestellt gehört.
Versicherung ist der zweite Punkt: Reetgedeckte Häuser gelten als weich bedacht, die Prämien für Gebäudeversicherung liegen deutlich höher, und einige Versicherer zeichnen sie nur mit Auflagen wie Blitzschutz oder Funkenschutzgittern.
Baurechtlich gelten Abstandsvorschriften zu Nachbargebäuden, und Reparaturen an Fassade oder Dach sind bei denkmalgeschützten Objekten genehmigungspflichtig. In Ortsbildsatzungen ist die Eindeckung oft ausdrücklich vorgeschrieben — ein Wechsel zu Ziegel ist dann keine Option.
Worauf beim Kauf zu achten ist
Lassen Sie sich das Alter der Eindeckung und die letzten Reparaturen schriftlich geben, bei Reet zusätzlich den Zustand der Firstabdeckung. Moosbewuchs und dunkle Flecken auf der Nordseite sind normal, weiche Stellen und Durchbiegungen sind es nicht.
Beim Nurdachhaus lohnt eine Prüfung der Dämmung: Viele Objekte dieser Bauzeit sind schwach gedämmt, und eine Nachdämmung bedeutet praktisch eine Neueindeckung des gesamten Hauses.
Häufige Fragen
Wie teuer ist die Versicherung eines Reetdachhauses?
Die Prämien liegen deutlich über denen hart bedeckter Gebäude, teils um ein Mehrfaches. Holen Sie ein Angebot ein, bevor Sie kaufen — nicht jeder Versicherer nimmt diese Objekte an.
Kann man ein Nurdachhaus erweitern?
Anbauten sind konstruktiv möglich, aber gestalterisch anspruchsvoll und baurechtlich vom Bebauungsplan abhängig. Häufig ist der Ausbau des Innenraums der bessere Weg.
Sind diese Häuser schwer verkäuflich?
Sie haben einen kleineren, aber sehr überzeugten Käuferkreis. Der Verkauf dauert länger, der Preis hängt stärker am Zustand des Dachs als bei anderen Objekten.
Weiter im Thema Haustypen
- Einfamilienhaus kaufen — der Weg vom Suchprofil zum Schlüssel
- Günstige Häuser kaufen — und den Grund für den Preis finden
- Zweifamilienhaus und Einliegerwohnung — zwei Nutzungen unter einem Dach
- Reihenhaus kaufen — der Kompromiss, der oft der beste ist
- Doppelhaushälfte kaufen — halbes Haus, ganze Verantwortung
- Bungalow kaufen — die Bauform mit der besten Alterstauglichkeit