Grundstücke
Baugrundstück, Bauplatz, Bauerwartungsland — die Unterschiede
„Bauland“ ist kein einheitlicher Begriff. Zwischen einer Wiese, die vielleicht irgendwann Bauland wird, und einem erschlossenen Bauplatz mit Baugenehmigungsreife liegen mehrere Entwicklungsstufen — und ein Preisunterschied, der leicht den Faktor zehn erreicht.
Die vier Stufen
Agrarland ist landwirtschaftliche Fläche ohne Bauperspektive. Sein Preis richtet sich nach Ertragsfähigkeit, nicht nach Baurecht.
Bauerwartungsland ist Fläche, für die eine bauliche Nutzung nach der Planung der Gemeinde absehbar erscheint. Das ist eine Erwartung, keine Zusage — Verfahren können scheitern oder Jahrzehnte dauern.
Rohbauland liegt bereits in einem Bebauungsplan, ist aber noch nicht erschlossen und meist nicht parzelliert. Erschließungskosten und Umlegungsverfahren stehen bevor.
Baureifes Land ist erschlossen, parzelliert und sofort bebaubar. Nur hier ist der Bodenrichtwert für Wohnbauland eine sinnvolle Vergleichsgröße.
Kommunale Vergabe
Viele Gemeinden vergeben eigene Bauplätze nicht zum Höchstpreis, sondern nach Kriterien: Ortsbezug, Kinder, ehrenamtliches Engagement, Einkommensgrenzen. Diese Verfahren sind der günstigste Weg zu einem Bauplatz und werden über Amtsblatt und Website bekannt gemacht.
Üblich sind Bauverpflichtungen — meist die Pflicht, innerhalb von zwei bis fünf Jahren zu bauen — sowie Wiederkaufsrechte der Gemeinde, wenn nicht gebaut wird. Beides steht im Kaufvertrag und schränkt den Weiterverkauf ein.
Preisbildung verstehen
Der Bodenrichtwert des Gutachterausschusses ist der beste öffentlich verfügbare Anhalt. Er bezieht sich auf ein fiktives Grundstück mit definierten Eigenschaften; Zuschnitt, Erschließungszustand und Größe führen zu Zu- und Abschlägen.
Große Grundstücke haben oft einen niedrigeren Quadratmeterpreis, weil der Kreis der Käufer kleiner ist. Umgekehrt kann Teilbarkeit den Wert erheblich steigern — wenn der Bebauungsplan sie zulässt.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob eine Fläche Bauland ist?
Über den Bebauungsplan der Gemeinde oder eine Bauvoranfrage. Aussagen von Verkäufern zur künftigen Bebaubarkeit sind ohne diese Grundlage wertlos.
Was kostet die Erschließung?
Sie hängt an Straßenlänge, Kanalanschluss und Gemeindesatzung. Bei einem Einzelgrundstück im Bestand sind mittlere bis hohe vierstellige, bei aufwendiger Erschließung fünfstellige Beträge üblich.
Kann man Bauerwartungsland finanzieren?
Nur eingeschränkt und mit hohem Eigenkapital, weil Banken den Beleihungswert am aktuellen, nicht am erhofften Baurecht messen.
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