Kaufen Schritt für Schritt
Hausbesichtigung — worauf Sie achten und was Sie fragen
Eine Besichtigung dauert selten länger als eine Stunde und entscheidet über eine sechsstellige Investition. Wer mit System durchgeht, sieht in dieser Stunde deutlich mehr.
Außen beginnen
Dach und Dachrinnen von der Straße aus prüfen: fehlende Ziegel, durchhängende Rinnen, Moos in großer Menge. Fassade auf Risse und abplatzenden Putz, Sockelbereich auf aufsteigende Feuchtigkeit.
Fenster von außen: Alter, Verglasung, Zustand der Dichtungen. Grundstück: Gefälle zum Haus hin, Bäume nah am Fundament, Zustand von Wegen und Einfriedung.
Keller und Technik
Der Keller verrät am meisten. Achten Sie auf muffigen Geruch, Salzausblühungen an den Wänden, feuchte Ecken und frische Anstriche an einzelnen Stellen — Letzteres ist ein klassisches Warnsignal.
Bei der Heizung zählen Baujahr auf dem Typenschild, Wartungsprotokolle und die Frage, wann zuletzt hydraulisch abgeglichen wurde. Beim Zählerkasten geben Sicherungstyp und Zahl der Stromkreise Auskunft über das Alter der Elektrik.
Innen
Fenster öffnen und schließen, Türen auf Klemmen prüfen, Böden auf Unebenheiten, Wände auf Risse — insbesondere über Türen und in Ecken. Im Bad Fugen und Silikon ansehen, unter Waschbecken und Spüle leuchten.
Handyempfang, Steckdosenzahl und Schallverhalten sind Kleinigkeiten, die später täglich stören. Ein Blick auf den Grundriss zeigt, ob Möbel überhaupt sinnvoll stellbar sind.
Die Fragen an den Verkäufer
Warum wird verkauft? Welche Arbeiten wurden wann durchgeführt, und liegen Rechnungen vor? Gab es Wasserschäden oder Schimmel? Wie hoch waren die Heizkosten in den letzten drei Jahren? Sind Um- oder Anbauten genehmigt?
Notieren Sie die Antworten. Was mündlich zugesagt wird, muss in den Kaufvertrag — sonst ist es rechtlich wertlos.
Häufige Fragen
Darf ich bei der Besichtigung fotografieren?
Nur mit Zustimmung des Eigentümers, bei vermieteten Objekten zusätzlich mit der des Mieters. In der Praxis wird das meist erlaubt und hilft beim späteren Vergleich mehrerer Objekte erheblich.
Wann lohnt ein Bausachverständiger?
Bei Gebäuden ab etwa dreißig Jahren, bei sichtbaren Feuchtigkeitsspuren, bei Rissen in tragenden Bauteilen und immer dann, wenn der Kaufpreis nah an Ihrer Obergrenze liegt.
Was, wenn der Verkäufer Fragen ausweicht?
Ausweichende Antworten zu Feuchtigkeit, Genehmigungen oder Heizkosten sind ein Warnsignal. Stellen Sie die Frage schriftlich — eine falsche schriftliche Auskunft kann als arglistige Täuschung gewertet werden.