Vermieten & Verwalten
Zinshaus und Mehrfamilienhaus — die Prüfung vor dem Kauf
Ein Mehrfamilienhaus ist ein Betrieb, keine Wohnung. Es wird über den Ertrag bewertet, über die Substanz bezahlt und über die Mieter geführt — drei Ebenen, die bei der Prüfung getrennt gehören.
Die Mietaufstellung prüfen
Verlangen Sie eine Aufstellung aller Einheiten mit Fläche, aktueller Kaltmiete, Mietvertragsbeginn, letzter Erhöhung und Kautionsstand. Vergleichen Sie die Ist-Mieten mit dem Mietspiegel.
Liegen die Bestandsmieten deutlich unter Marktniveau, ist das kein automatisches Potenzial. Mieterhöhungen sind durch Kappungsgrenze und Fristen eng begrenzt — die Anhebung dauert Jahre.
Der Instandhaltungsstau
Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Steigleitungen und Elektrik sind bei Mehrfamilienhäusern die großen Positionen. Fragen Sie nach Rechnungen der letzten fünfzehn Jahre — was nicht belegt ist, wurde vermutlich nicht gemacht.
Ein Bausachverständiger ist hier keine Option, sondern Standard. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zu einer übersehenen Strangsanierung.
Die Kennzahlen
Der Kaufpreisfaktor — Kaufpreis geteilt durch Jahresnettokaltmiete — ordnet das Objekt in seinem Markt ein. Die Nettomietrendite zieht Erwerbsnebenkosten, nicht umlagefähige Kosten und Rücklage ab und ist die belastbarere Größe.
Rechnen Sie zusätzlich mit einem Mietausfallwagnis von zwei bis fünf Prozent und einer Rücklage von mindestens einem Euro je Quadratmeter und Monat. Ohne diese Positionen ist jede Renditerechnung geschönt.
Finanzierung und Struktur
Banken bewerten Mehrfamilienhäuser über den Ertragswert und verlangen regelmäßig höhere Eigenkapitalquoten als bei selbstgenutzten Objekten — zwanzig bis dreißig Prozent sind üblich.
Ob der Erwerb privat oder über eine Gesellschaft sinnvoll ist, hängt von Haltedauer, Zahl der Objekte und persönlichem Steuersatz ab. Diese Frage gehört vor den Kauf, nicht danach.
Häufige Fragen
Was ist ein guter Kaufpreisfaktor beim Zinshaus?
Das hängt stark von der Lage ab. In Metropolen sind Faktoren über 25 verbreitet, in B- und C-Lagen liegen sie deutlich darunter. Entscheidend ist der Vergleich innerhalb desselben Marktes, nicht ein bundesweiter Richtwert.
Wie viel Rücklage brauche ich?
Bei älteren Mehrfamilienhäusern mindestens ein bis eineinhalb Euro je Quadratmeter und Monat. Stehen große Maßnahmen an, sollte der Betrag vor dem Kauf konkret kalkuliert und vom Preis abgezogen werden.
Lohnt sich die Aufteilung in Eigentumswohnungen?
Rechnerisch oft, weil Einzelverkäufe höhere Quadratmeterpreise erzielen. Praktisch ist der Weg aufwendig, in manchen Gebieten genehmigungspflichtig und durch Kündigungssperrfristen für Mieter eingeschränkt.
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